PRESSEMITTEILUNG: Diskussionsveranstaltung in Bellheim
Frauen UND Männer kamen ins Bürgerhaus nach Bellheim, um mit dem südpfälzischen Bundestagsabgeordneten Thomas Hitschler über verschiedene Vorstellungen zu diskutieren, wie eine für Alle gleichberechtigte Arbeitswelt erreicht werden kann und wo bisher die größten Unterschiede liegen. Seine Diskussionsgäste waren Elke Ferner, MdB, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Barbara Schleicher-Rothmund, MdL, Vizepräsidentin des Landtages Rheinland-Pfalz und örtliche Landtagsabgeordnete sowie Susanne Wagner, Bezirksfrauensekretärin des Deutschen Gewerkschaftsbundes Rheinland-Pfalz/Saarland.
„Einiges erreicht – noch viel vor! könnte das Ergebnis des Abends lauten“, so Hitschler. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schon am Arbeitsmarkt verbessert, einige Ungerechtigkeiten, z.B. beim Lohn oder bei der flexibleren Arbeitszeitgestaltung müssen durch Regelungen in der Politik, aber auch durch ein Umdenken auf Arbeitgeberseite angepasst werden.
Selbstkritisch gingen die anwesenden Frauen auf häufig unbewusst anerzogene „Angepasstheit“ ebenso ein wie die oft fehlende Motivation, sich für die eigenen Rechte und Ansprüche einzusetzen. Die ‚klassische‘ Rollenverteilung setzt Frauen und Männer gleichermaßen unter Druck. Männer, die am Familienleben viel mehr teilhaben wollen, sehen sich häufig auf die Rolle des ‚Familienernährers‘ reduziert.
Elke Ferner, die auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in der SPD (ASF) ist, hob unter anderem hervor, dass die Rahmenbedingungen immer noch auf das Ein-Ernährer-Modell ausgerichtet sind, wie z.B. das Ehegattensplitting. Diese Rahmenbedingungen müssen so verändert werden, dass partnerschaftliche Lebensmodelle nicht benachteiligt werden. Die Entgeltungleichheit und die gebrochenen Erwerbsbiographien addieren sich im Lebensverlauf auf eine Rentenlücke von fast 60 Prozent. „Soziale Gerechtigkeit heißt für mich vor allem Chancengleichheit der Geschlechter“, so Ferner. „Es ist heute immer noch stark zu beobachten, dass eine innerfamiliär getroffene Entscheidung über die Frage, wer sich zeitintensiver um Kinder und Haushalt kümmert, durch die schwierigere Rückkehr in den Beruf bei meist geringerer Bezahlung massive Auswirkungen auf den weiteren Lebensweg hat. „An dem Abbau dieser Ungerechtigkeit müssen wir weiter intensiv arbeiten“, so Elke Ferner.
Barbara Schleicher-Rothmund, Landtagsvizepräsidentin und hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion wies auf die häufig geschlechter-stereotype Auswahl der Studienfächer an Hochschulen hin. Während Frauen oft sozial- und sprachorientierte Fächer wählten, studieren in den sog. naturwissenschaftlich orientierten MINT-Bereichen vor allem Männer. Dies wirke sich auch auf das Lohngefüge in den entsprechenden Berufen aus. Seit es mehr Medizinerinnen in Deutschland gäbe, sinke das Durchschnittseinkommen der Ärzte merklich. „Dieser Trend muss gestoppt und umgekehrt werden“, so Schleicher-Rothmund.
Susanne Wagner legte einige Forderungen an die Politik und an die Arbeitgeber aus Sicht des DGB dar: „Nötig ist eine neue Definition des Normalarbeitsverhältnisses, die die alte (größtenteils männlich geprägte) Vollzeitnorm ersetzt“, so Wagner. Es muss mehr und flexiblere Möglichkeiten geben, Arbeitszeiten temporär zu reduzieren, sei es für Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder auch Besuche von Weiterbildungsmaßnahmen.
Die Einführung einer Familienarbeitszeit wurde von allen Anwesenden als gutes Instrument erachtet, mehr Ausgleich innerhalb der Familie zu schaffen.